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Fliegende Händlerinnen

 
Mädel mit Honig und Obst
 
Schneckenweib
 

 

Zeichnungen nach dem gemeinen Volke besonders der Kaufruf in Wien, 1775/76 Johann Christian Brand
Kupferstiche 46 x 34 cm
Aus einer Serie von 40 Blatt:
Mädel mit Honig und Obst
HM, Inv. Nr. 95.836/34
Schneckenweib
HM Inv. Nr. 95.836/40

 

Die Menschen auf den Straßen Wiens, ihre Gesichter und charakteristischen Haltungen, ihre Körpersprache und ihre Bewegungen, ihre unterschiedlichen Tätigkeiten und Arbeiten im öffentlichen Raum, regten Johann Christian Brand zu seinen Zeichnungen an. Wobei hier das Wort Anregung wörtlich genommen werden sollte – es ging, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, nicht um eine ›realistische‹ Aufzeichnung oder Dokumentation des Lebens der armen und unterprivilegierten Schichten, sondern um eine idealisierte, folkloristisch verbrämte Darstellung eines bunten und abwechslungsreichen Lebens und Treibens auf den Straßen.

Die Wanderhändlerinnen und Wanderhändler ziehen durch die Stadt, immer auf der Suche nach Kundschaft und bieten ihre unterschiedlichen Waren zum Verkauf an: Bretzen, Honig, Obst, Kupferstiche, Tinte, Schnecken ... Die Frauen auf den Blättern von Johann Christian Brand sind alle sitzend dargestellt, passiv bleiben sie auf ihren Waren sitzen, warten auf Käufer. Extrovertiertere Händlerposen, wie man sie dem Beruf entsprechend vermuten würde, die Waren anpreisende Gesten sind nur auf den Stichen zu finden, die Männer mit ihren Waren zeigen. Aufrecht treten sie einem entgegen, manche machen sogar einen energisch beschwingten Schritt in Richtung Betrachter.

Nach einem französischen Vorbild, dem "Pariser Kaufruf" von Edmé Bouchardon machte sich Brand an die Verwirklichung seines "Großen Kaufrufs". Die Technik des Kupferstichs war damals etwas ganz Neues, im Jahr 1766 war die Wiener Kupferstichakademie gegründet worden. Ein ganzes Team von Stechern arbeitete im Hintergrund und setzte die weichen Bleistiftzeichnungen von Johann Christian Brand mit dem harten Stichgriffel um. Mit im Kupferstecherteam waren Catharina, Christian und Friedrich Brand, Carl Conti, Johann Feigel, Johann Ernst und Sebastian Mansfeld, Quirin Mark, Johann Mössmer und Carl Schütz.