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Schleiersage

 
Schleierlegende
 

 

Schleierlegende, undatiert
Wachsbossierung, staffiert
ÖMV-Inv. Nr. 46.040

 

In einem Tempietto sitzt Markgraf Leopold III. von Österreich, neben ihm steht seine mächtig wirkende Gemahlin Agnes und legt schutzmadonnengleich ihren linken Arm um ihn. Am Hochzeitstag hatte ein starker Windstoß der auf dem Burgsöller stehenden Agnes den Schleier entrissen. Erst sieben Jahre später wurde er bei einem Jagdausflug von den Hunden in einem Holunderstrauch unversehrt aufgefunden. Leopold hatte gelobt, am Fundort eine Kirche zu errichten.
Leopold und Agnes sind als Stifterehepaar in die Geschichte eingegangen; 1114 wurde von ihnen das Stift Klosterneuburg gegründet, der Legende nach genau dort, wo der der verlorene Schleier gefunden worden war.

Agnes von Waiblingen, die Tochter Kaiser Heinrichs IV. und der Bertha von Turin, hatte für mittelalterliche Verhältnisse ein unwahrscheinlich langes Leben, sie wurde über 70 (1072 - 1143). In erster Ehe war sie mit dem Staufer Friedrich I. verheiratet, nach dessen Tod in zweiter Ehe mit dem Babenbergerherzog Leopold III., der später heilig gesprochen wurde.

Lange Zeit überlieferten die historischen Quellen, dass sie in zweiter Ehe mit Leopold, den sie heiratete, als sie bereits 34 war, noch 18 Kinder zur Welt gebracht hätte. Erst in jüngster Zeit haben Forscher diese Überlieferung einmal kritisch betrachtet und die Zahl der Kinder aus zweiter Ehe auf 11 revidiert. Insgesamt hat Agnes 22 Kinder geboren, darunter Otto den Bischof von Freising, Agnes, die den polnischen König Wladislaw II. heiratete sowie Konrad, den späteren Bischof von Passau. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1136 griff Agnes tatkräftig in die Regierungsgeschäfte ein.